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Wieder einmal berechneten die Polarlicht-Vorhersagemodelle eine moderate Wahrscheinlichkeit für eine Aurora. Üblicherweise gleiche ich das immer mit Wetterkameras ab. Diesmal war dies leider nicht möglich, da die nach Norden ausgerichteten Kameras in nicht lichtverschmutzter Gegend, ich schaue immer an der Nord- bzw. Ostseeküste, in der Rhön und auf der Zugspitze entweder zugeschneit, außer Betrieb oder in Wolken steckten. Als ging ich auf gut Glück in die zwischenzeitlich sternenklare Nacht. Das Thermometer zeigte zwar nur -8 °C, in Verbindung mit dem noch sehr strammen Wind fühlte es sich aber wie -20 °C an. So entschloss ich mich an die Verbindungsstraße zwischen Güntersleben und Rimpar zu fahren, wo mir zuletzt im November 2025 das Glück zuteil wurde, Polarlichter über Franken auf den Sensor zu bannen. Der Vorteil des Standortes liegt nicht nur in seiner guten Erreichbarkeit (und bei Eiseskälte freust du dich, dass Lenkrad- und Sitzheizung nicht weit entfernt sind) sondern auch, dass sich nördlich der ausgedehnte Gramschatzer Wald anschließt, so dass hier die Lichtverschmutzung deutlich unter dem Würzburger Umland liegt.
Am Ort angekommen öffnete sich über mir ein sternenklarer Nachthimmel. Von Polarlichtern allerdings keine Spur. Das kannte ich schon, mit bloßem Auge geht in unseren Breiten fast nichts. Also Kamera aufs Stativ gesetzt, die Standardparameter eingestellt und mit den ersten Aufnahmen die Region unter dem Polarstern eingefangen. In der ersten Kontrolle nichts, na ja, fast nichts. Ein schwaches Glimmen am Horizont, kaum sichtbar. Die Belichtungszeit nochmals eine Blendenstufe hochgesetzt, die ISO ebenfalls. Wieder fast nichts. Bevor ich etwas enttäuscht und vor Kälte zitternd aufgegeben habe dachte ich mir, wenn du schon da bist, dann lichte doch den schönen Sternenhimmel über der schneebedeckten Landschaft ab. So entstand dieses 360er.
Am nächsten Morgen nochmals die Aufnahmen angesehen. Halt, da ist ja was. Ein grüner Schimmer am Horizont, kaum zu sehen neben den hellen Lichtglocken der Städte. Am PC die Bilder zusammengesetzt und nachbearbeitet. Mit einem Mal wurde ein blass violetter Bogen im Norden sichtbar. Also, geht doch. Kp 5-, so der zu dieser Zeit gemessene Index. Eigentlich nicht zu erwarten, dass sich da noch genug Photonen auf dem Sensor sammeln, um in unserer lichtverschmutzten Gegend Polarlichter einzufangen.
Was noch zu sehen ist: Die bläulichgrünen Lichtglocken, insbesondere von Würzburg und Schweinfurt. Der halbe Orion, in der Originalgröße ist der dort beheimatete Nebel gut zu erkennen. Ein bisschen Milchstraße, etwas schwach, eben durch die Lichtverschmutzung. Einige Sternhaufen und unsere Schwestergalaxie Andromeda.
10 HF-Aufnahmen, 11 mm (16,5 mm KB), f/3,2, 10 s, ISO 2.000.
Peter Brandt, Jörg Braukmann, Hans-Jörg Bäuerle, J. Engelhardt, Heinz Höra, Lukas Klös, Martin Kraus, Giuseppe Marzulli, Niels Müller-Warmuth, Arne Rönsch, Björn Sothmann, Arjan Veldhuis, Jens Vischer, Benjamin Vogel
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Kommentare
Einen guten Start in die neue Woche und herzliche Grüße,
Hans-Jörg
@Peter: Die Aufnahmeserie entstand um 23 Uhr. Da war der Höhepunkt schon gut eine Stunde überschritten.
Gruß
Lukas
Also Stativ geschnappt, die Kamera mit offenblendigem Weitwinkelobjektiv bestückt, eine Heizmanschette übergestülpt und dann die Intervall-Aufnahmefunktion aktiviert. Ich empfehle folgende Aufnahmeparameter:
Weißabgleich fix, ideal 4.900 K oder Tageslicht. Aufnahmedauer 5 s, Aufnahmeintervall 6 s. Blende 2,8 oder offenblendiger. ISO automatisch.
Viel Erfolg!
Dieter
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