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Location: Güntersleben (326 m)      by: Dieter Leimkötter
Area: Germany      Date: 19.01.2025, 22:09 Uhr
Am 18.01. um 19:09 Uhr MEZ entlud sich die Sonnenfleckenregion 4341 aus einer hoch komplexen beta-gamma-delta Konfiguration in einem X 1,95-Flare. Dies triggerte einen koronalen Masseauswurf, der bedingt durch die Lage des Ausbruchgebietes eine deutliche erdgewandte Komponente aufwies.

Auf der NOAA-Seite wurde bereits kurz darauf prognostiziert, dass es zu einem solaren Sturm kommen kann, der mit einer Stärke von G4, der zweithöchsten der fünfteiligen Skala, am 20.1 gegen 2:00 Uhr MEZ sein Maximum erreichen sollte.

Da die Weltraumwetterprognosen doch noch viel unsicher sind, als die irdischen Wetters verfolgte ich die Polarlichtaktivität unter anderem auf der Webcam der Zugspitzbahn. Gegen 22:00 Uhr zeigte sich hier eine deutliche, rasch verstärkende Aktivität. Meine Fotoausrüstung hatte ich schon bereit gelegt und war kurze Zeit später unterwegs zu dem Spot, von dem ich mir eine geringe Lichtverschmutzung erwartete.

Schon vor meiner Haustüre sah ich ein rötlicher Schein am Nordhimmel. Am Ziel angekommen präsentierte sich der Nordhimmel als fahlgrün wabernde Masse mit rötlichem Schein darüber. In der Kamera zeigte sich die volle Pracht und Ausdehnung des Polarlichtes. Ich war gerade dabei, die erste 360er-Serie abzulichten, als sich plötzlich smaragdgrüne Lichtbänder innerhalb des roten Scheines zeigten. Rasch fluktuieren, pulsierend von Nordost nach Südwest ausbreitend huschte dieses Licht über den Himmel. Immer südlicher breitete sich die Aurora aus. Direkt über mir tanzte es, zeitweise sogar südlich von mir. Das flackernde Licht hielt für ca. eine Stunde an. Es folgte dann wieder eine Phase mit den Lichterscheinungen, die ich bereits bei Eintreffen vorfand. Gegen 23:30 Uhr machte mich mich wieder auf dem Heimweg, überwältigt von dem, was ich soeben erleben durfte.

In der Auswertung des Ereignisses stellte ich fest, dass ich zufälligerweise den Höhepunkt dieser Aurora live miterlebte. Ein Moment, der in unseren Breiten wahrscheinlich nur einmal im Leben so erfolgt. Die aktuelle Aktivitätsphase unserer Sonne hat mit Umkehr des Magnetfeldes im vergangenen Jahr sein Plateau erreicht. In diesem Jahr wird es sicher noch den eine oder anderen heftigen Masseauswurf geben, ob die Bedingungen wieder so optimal waren, wie an diesem Abend, ist wenig wahrscheinlich. Es war vielleicht ein Augenblick, den man so nur einmal erlebt.

Im diesem Pano zeige ich den Beginn dieser fulminanten Lightshow. Im weiteren erstellte ich eine Zeitrafferaufnahme. Ein Pano in der Hochphase der Aktivität hätte wahrscheinlich nicht funktioniert, zu rasch wechselte der Himmel.

13 HF-Aufnahmen, Stativ, 11 mm (16,5 mm KB, beschnitten auf ca. 25 mm), f/2,8, 5 s, ISO 1.000.

Das Pano ist ja nur eine kurze Momentaufnahme, wie im Titel vermerkt, vor der Show. Diese ist als kurze Zeitrafferaufnahme abrufbar unter:

https://youtu.be/YSDLvZBxPRE

Comments

Das ist wirklich überwältigend, Dieter. Da kannst du dich glücklich schätzen, das in der Form eingefangen zu haben. Bist du sicher, dass es am 20. Januar aufgenommen ist und nicht am 19. Januar? Viele Grüße, in tiefer Bewunderung, Peter
2026/01/24 10:46 , Peter Brandt
Fantastisch.
2026/01/24 17:09 , Giuseppe Marzulli
Ich staune über das Naturspektakel, aber auch darüber, wie gut Du auf so etwas vorbereitet bist. VG Martin
2026/01/24 19:44 , Martin Kraus
Ich glaube, so schön hast du diese Naturerscheinung bisher noch nie einfangen können. Dank deines Postings ein paar Stunden vor dem Ereignis bin ich mit meiner Tochter auch rausgefahren in die Dunkelheit und wir beobachteten die Polarlichter zur selben Zeit wie du. Ich freue mich zu hören, dass das zu dieser Zeit der Höhepunkt war. Wir waren begeistert. So hatte das keiner von uns bisher gesehen, und ich habe es schon bis Skagen geschafft und meine Tochter bis Finnland. Ich habe mich alsbald aufs Genießen konzentriert und mangels Stativ meine Fotoversuche aufgegeben. Ein Baumstamm taugt zum Auflegen wenig und mein Phone macht nachts nie gute Aufnahmen. Mit meiner alten PowerShot gelangen meiner Tochter passable Einzelaufnahmen. Hut ab vor deiner Leistung hier. Mir gefällt auch, dass du rechts (Löwe) und links (Orion, Sirius) noch etwas dazugegeben hast. Fragen möchte ich nach einer Kante im Grün unter dem großen Wagen, wo der Wald anfängt. Ist das eine Naht oder war das so?
2026/01/24 22:08 , Jörg Braukmann
Normalerweise interessieren mich solche Himmelsphänomene nicht sonderlich. Aber dieses ist schon spektakulär. Toll, dass Du das für uns so eindrücklich eingefangen hast. Ein Genuss für jeden, der es nicht live miterlebt hat.
LG Jörg
2026/01/25 11:22 , Jörg Nitz
Danke für die freundlichen Kommentare.

@Peter: Danke für den Hinweis zum Datum. Ist korrigiert.
@Jörg B.: Es freut mich, dass ich mit meinen Post dir und deiner Tochter einen ebenso einzigartigen Abend beschert habe. Polarlichtvorsagen sind sehr unsicher, ich bin froh, dass es diesemal so eingetroffen ist.
Der von dir angesprochene Streifen ist tatsächlich so gewesen und auch im Einzelbild sichtbar. Die Stitchprogramme hatten mit den rasch wechselnden Lichtern so ihre Probleme. Lightroom vernähte nur 5 der 13 Bilder, Photoshop kapitulierte vollständig. Hugin fand zu wenig Kontrollpunkte, das Ergebnis war entsprechend. Da ist gut, wenn man PSP auf dem Rechner hat.

Wer diese Stunde im Zeitraffer genießen will, der darf gerne auf Youtube reinschauen: https://youtu.be/YSDLvZBxPRE
Der Link ist auch in der Bildbeschreibung eingefügt.

Grüße,
Dieter
2026/01/25 13:16 , Dieter Leimkötter
Bei Hugin den Korrelationsschwellenwert (Einstellungen) runtersetzen, das hilft bei gleichmäßigem Nebel und sicher auch bei wenig Unterschieden im Nachthimmel. Ggf. muss man manuell etwas nacharbeiten.
LG Jörg
2026/01/25 14:02 , Jörg Nitz
Wunderschön und ... wieder einmal zeigt uns die Natur, wer wirklich das Sagen hat!
Grüße aus den Niederlanden.
2026/01/25 18:06 , Arjan Veldhuis
Das ist dir echt perfekt gelungen, auch mit der Einbindung in den sternenklaren Nachthimmel. Und dieses Mal war sogar viel Hellgrün dabei. Auch den Standort hast du ideal auskundschaftet.

Ich habe dieses Mal keine Ausrede, warum ich es selber nicht eingefangen konnte. Du hast uns perfekt darauf hingewiesen und schon am Abend gegen 22:00 Uhr häuften sich die Sichtungen und Bilder in den sozialen Medien. Man hätte dazu nicht mal länger aufbleiben müssen.
2026/01/26 08:01 , Jens Vischer
Sonst wird in den Medien das Thema ständig platt getreten aber an diesem Tag hab ich gar nichts davon mitbekommen. Erst durch Kollegen am nächsten Tag hab ich es dann erfahren. Hat mich schon ein bisschen geärgert, da die Sicht bei uns gut war in der Nacht aber zu der Zeit lag ich dann halt schon im Bett.

Immerhin hast du für uns das geniale Schauspiel festgehalten, danke dafür.

Gruß
Lukas
2026/01/27 21:11 , Lukas Klös
Das Video finde ich auch sehr gelungen. Ich überlege noch, ob man es besser mit oder ohne Musik anschaut. Die Polarlichter waren bei uns absolut lautlos. Ich mach's einfach mal so mal so.
Lukas, am besten guckst du täglich, was hier gepostet wird. Gut wäre jetzt noch, wenn Wilfried ebenfalls mindestens 5 Stunden vorher hier schreibt, dass es in Südbayern beste Fernsicht geben wird.
2026/01/27 21:33 , Jörg Braukmann
@Lukas: Danke für dein Lob. Medien berichten halt gerne, wenn der Zauber schon vorbei ist. Am Folgetag erschienen zwar viele Berichte und ein Hinweis, dass am kommenden Abend auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit für Polarlichter bestünde, aber das war halt nur ein blasser Schatten des Vorabends.
Ich schaue aktuell mehrmals in der Woche ins NOAA-Space-Weather. Bei markanten Ausbrüchen, den X-Flares, verfolge ich dann in kürzeren Abständen die Entwicklung. Schlussendlich packe ich die Kamera ein, wenn die Zugspitz-Webcam Nord pinkfarbene Lichter am Himmel zeigt.

@Jörg B: Polarlichter sind grundsätzlich lautlos. In einer Höhe von 50 - 400 km ist die Luft viel zu dünn, um Schallwellen, sollten sie durch die Kollision der Teilchen verursacht werden, weiterzutragen. Im Prinzip handelt es sich um eine schnöde Gasentladung, wie sie ich jeder Neonröhre abläuft. Das entstehende Plasma sendet bei der Rekombination Licht aus. Und Leuchtstoffröhren machen glücklicherweise ja auch keine Geräusche.
2026/01/29 16:22 , Dieter Leimkötter

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