Naturbühne   32379
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Location: Strohgäu bei Stuttgart (200 m)      by: Franz Schumacher
Area: Germany      Date: 14.07.2009
Dieses Nachtgewitter am 14.07.2009 konnte ich mir nicht entgehen lassen. Das war die reinste Natur-Bühnen-Lightshow mit kostenfreiem Logenplatz. Und dann auch noch die ganze Loge für mich allein.

Canon EOS 5 D Mark II
Objektiv 24-70
3,2 Sek. bei f/5,0,
ISO 320, BW 24 mm
Farbraum Adobe RGB
Entwickelt mit Adobe Lightroom,
Schnitt mit Adobe Photoshop CS 3 Prem.

Das Feld im Vordergrund ist ein Gerstenfeld. Übrigens eine Location die mir für Gewitteraufnahmen eine der liebsten ist. Dort bin ich öfter bei Gewittern. Im Hintergrund (leichte Talsenke mit Baum-Buschgruppen und weiter dann sanfte Hügel die man leicht durch die Kameraposition hoch/tief mit ins Bild integrieren oder auch weglassen kann. Sehr praktisch für so eine Bühne! Aber für Deine Frage habe ich jetzt auch keine wirkliche Erklärung. Ich bin nicht vorgegangen bis dort an diese Stelle. Daher weiß ich es nicht wirklich. Ich kann daher nur vermuten: kurz zuvor hat es richtig ordentlich geschüttet, so dass nicht nur der Fotograf, sondern auch das Gerstenfeld seuch-nass (patschnass) war. Das war mir auch sehr recht so. Denn damit hat sich jeder Blitz auf der mehr oder weniger nassen Fläche der Gerste mit seinem Licht sehr schön beinahe schon spiegelnd abgebildet.

Blitzfotografie in der Nacht ist zumindest für mich im Gegensatz zur Tagesblitzfotografie relativ einfach. Lange Belichtungszeiten von locker mal 1,3 bis 2,5 oder mehr Sekunden und mehr sind da keinerlei Problem, sofern man sich in unbebauten Gebieten und weit entfernt vom Rest-Streulicht der Dörfer und Städte im freien Gelände befindet. Man hat dann auch eine recht hohe Trefferquote. Das war hier der Fall: ich war weit außerhalb bebauter Gebiete ohne Restlicht von Dörfern. In sofern hatte ich stockdunkle Nacht um mich herum und konnte recht lange mit 3,2 Sekunden belichten. Die 22 brauchbaren Blitzaufnahmen die mir in der Nacht dort gelangen sind in etwa alle mit diesen Einstellungen entstanden.

Es sind nur zwei Blitze auf diesem Bild. Was man bei der Bild-Auflösung hier jedoch kaum sieht: die beiden rechten Blitze sind als negativer/positiver Wolke-Wolke-Blitz miteinander verbunden. In sofern sind es tatsächlich nur zwei Blitze gewesen. Auch wenn es so aussieht wie drei.

Wen es interessiert: man unterscheidet zwischen Wolkenblitz (Ladungsausgleich innerhalb einer Wolke) und Erdblitz (Ladungsausgleich zwischen Wolke und Erdboden).

Ein Wolkenblitz hat normalerweise die so genannte Wetterleuchte zur Folge. Man sieht den Blitz selbst nicht und hört den Donner aufgrund der hohen Distanz gar nicht oder nur ganz schwach.

Dabei unterscheidet man:

Negativer Wolke-Wolke-Blitz:
Der Blitz verläuft vom negativen Ladungsgebiet ins positive Ladungsgebiet innerhalb der Wolke.
Zu Deutsch: ein Blitz springt innerhalb einer Wolke von A nach B.

Positiver Wolke-Wolke-Blitz:
Der Blitz verläuft vom positiven Ladungsgebiet ins negative Ladungsgebiet innerhalb der Wolke.
Zu Deutsch: ein Blitz springt innerhalb einer Wolke von A nach B nur ladungstechnisch anders herum.

Bei der Blitzentladung zwischen Wolke und Erdboden gibt es vier Unterscheidungen:

Negativer Wolke-Erde-Blitz:
Der Blitz verläuft vom negativen Ladungsgebiet der Wolke zum positiven Erdboden.
Zu Deutsch: ein Blitz springt von einer Wolke zum Erdboden in einen Baum oder Berg oder Gebäude etc. (hoffentlich nicht auf einen Fotografen!)

Positiver Wolke-Erde-Blitz:
Der Blitz verläuft vom positiven Ladungsgebiet der Wolke zum negativen Erdboden.

Negativer Erde-Wolke-Blitz:
Der Blitz verläuft vom negativen Erdboden zum positiven Ladungsgebiet der Wolke.
Zu Deutsch: ein Blitz springt vom Erdboden oder Berg oder Gebäude etc. in eine Wolke.

Positiver Erde-Wolke-Blitz:
Der Blitz verläuft vom positiven Erdboden zum negativen Ladungsgebiet der Wolke.

Ca. 90% der Blitze zwischen Wolke und Erde entsprechen dem Negativen Wolke-Erde-Blitz.

Blitze, die von der Erde in Richtung Wolke verlaufen, gehen meist von hohen Gebäuden oder Berggipfeln aus, da dort im Umfeld eine besonders hohe elektrische Ladung besteht.

Ein Erdblitz besitzt durchschnittlich eine Länge von 1 bis 2 km, in den Tropen ca. 2 bis 3 km, aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit.
Ein positiver Wolke-Erde-Blitz erreicht Längen bis über 10 km und ein Wolkenblitz ist so im Schnitt 5 bis 7 km lang

Comments

Sehr interessante Informationen! Kannst du noch etwas zum Pano sagen (wieviele Aufnahmen verknüpft, wieviele "Versucht" für die Einzelaufnahmen, etc.)?
2009/07/31 13:44 , Robert Mitschke
@Robert
das ist eine Aufnahme. Entweder man hat den/die Blitze auf der Aufnahme oder eben nicht. Panoramen im herkömmlichen Sinne sind da nicht machbar.
Ca. 110 Aufnahmen während dieser Gewitterfront, davon 22 brauchbare Aufnahmen mit Blitzen.
2009/07/31 18:52 , Franz Schumacher
Naja, ein Panorama kann man sich erschleichen, indem man nach den eingefangenen Blitzen rechts und links noch Aufnahmen mit gleicher Belichtung macht, so wie ich bei #1649. Dank deiner ausführlichen Beschreibung weiß ich jetzt auch einigermaßen, was für Blitze ich damals fotografiert habe.
2009/08/01 12:29 , Robert Mitschke

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