Nordungarische Landschaft um Rudabánya   5154
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Details

Location: Rudabánya / Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén / Nordungarn (259 m)      by: Hans-Jörg Bäuerle
Area: Hungary      Date: 28.08.2020
Den Ruf, dass Ungarn ein fast ausschließlich unspektakuläres flaches Land ist, konnte ich in meinen bisherigen Panoramen ja bereits hinreichend widerlegen, was auch in zahlreichen Eurer Kommentare zum Ausdruck kam. So nahm ich meine Kurzreise Ende August / Anfang September zum Anlass die interessante Landschaft weiter zu dokumentieren. Da die Reise auch mit einigen Terminen gespickt war, war das Fotografieren weitgehend „Nebensache“, deshalb habe ich die Standorte meist nicht bei den optimalsten Lichtstimmungen angetroffen, sondern wie hier in der Mittagshitze bei weit über 30° Celsius. Zu sehen ist in diesem Werk die Landschaft um die alte nordungarische Bergbaustadt Rudabánya, eingebettet im Tal des kleinen Flusses Ormos-patak im Aggtelek-Nationalpark und nur 15 Kilometer Luftlinie von der slowakischen Grenze entfernt. Im Hintergrund die slowakischen Berge um die Städte Roznava und Kosice und im Osten in ca. 70 Kilometer Entfernung die Sempliner Berge, ebenfalls ungarisch-slowakisches Grenzgebiet von dem ich von der Burg Füzér (#22297) bereits im Jahr 2017 Panoramen gezeigt habe.

Wörtlich übersetzt bedeutet Ruda (slawischen Ursprungs = Erz) bánya (ungarisch = Grube, Mine) Erzgrube. Rudabánya wurde in den Büchern erstmals 1299 urkundlich erwähnt und war im 14. Jahrhundert eine der sieben Bergbaustädte Oberungarns. Seine „Blütezeit“ erlebte das „Ruhrgebiet Ungarns“ um Miskolc, Ózd und Rudabánya mit der Industrialisierung ab den 1840er-Jahren und Rudabánya selbst mit dem neuzeitlichen Abbau von Eisenerz ab 1880. Ohne weiter auf die interessante Bergbaugeschichte dieser Region einzugehen, sei zumindest erwähnt, dass Ungarn infolge der beiden Weltkriege große Teile seiner Industrie und Bergbaugebiete in Oberungarn (Slowakei) und Siebenbürgen (Rumänien) verloren hat. Die nach dem zweiten Weltkrieg mit hohen Investitionen geförderte planwirtschaftliche Bergbauindustrie erlebte dann mit der europäischen Krise der Schwerindustrie in den 80er-Jahren ihren Niedergang. Wirtschaftlich ineffiziente Gruben wurden zunehmend geschlossen – Rudabánya im Jahr 1985 – und ab der Wende 1989 privatisiert, bzw. stillgelegt. Resultierend aus der folgenden Arbeitslosigkeit setzte im Norden Ungarns eine Flucht in die Großstädte und ins Ausland ein, unter der noch heute diese Regionen leiden. Seit ca. 2015 – etwa zeitgleich mit meinen häufigeren Besuchen dieses Landes – sind Veränderungen wahrnehmbar und es sind Bestrebungen im Gange, diese Industrie- und Bergbauanlagen als Kulturdenkmale ungarischer Geschichte zu revitalisieren. In dem heute ca. 2.500 Einwohner zählenden Rudabánya besteht bereits seit vielen Jahren ein durchaus sehenswertes Museum mit gut 25.000 Exponaten zum Thema Bergbau – weiteres siehe Links unten.

Genug der Worte ... wenn der Bericht dazu beiträgt sich ein wenig in die Landschaft und ihre Geschichte hineinzuversetzen, dann hat er seinen Zweck erfüllt ;-) …


Today (2020-09-14) my addition in English, I had not enough time for that last evening:
I think I was able to refute the reputation in my previous panoramas, that Hungary is an almost unspectacular flat country, which was also expressed in many of your comments. So I took my short trip at the end of August / beginning of September as an opportunity to continue the documentation of the interesting landscape. Since the trip was also filled with some meetings, photography was mostly "secondary", so I usually didn't find the locations in the best light - like here in the heat of midday with temperatures well over 30° Celsius. This panorama shows the landscape around the old North Hungarian mining town of Rudabánya, embedded in the valley of the small river Ormos-patak in the Aggtelek National Park and only 15 kilometers from the Slovakian border. In the background are the Slovakian mountains around the cities of Roznava and Kosice and in the east in a distance of about 70 kilometers the Zemplén Mountains, also a Hungarian-Slovakian border area of which I have already shown panoramas from the castle Füzér (#22297) in 2017.

Literally translated Ruda (Slavic origin = ore) bánya (Hungarian = mine) means ore mine. Rudabánya was first mentioned in 1299 and was one of the seven mining towns of "Upper Hungary" in the 14th century. The "Ruhrgebiet of Hungary" around Miskolc, Ózd and Rudabánya experienced its golden age with the industrialization from the 1840s onwards, and Rudabánya itself with the mining of ore from 1880 onwards. Without going into further details about the interesting mining history of this region, it should at least be mentioned that Hungary lost large parts of its industry and mining areas in "Upper Hungary" (Slovakia) and "Transylvania" (Romania) as a result of the two world wars. The mining industry, which had been promoted with high investments after the Second World War, then experienced its decline with the European crisis of heavy industry in the 1980s. Economically inefficient mines were increasingly closed - Rudabánya in 1985 - and privatized or closed down after the political turnaround in 1989. As a result of the following unemployment in northern Hungary, there was a migration to the big cities and to other countries, from which these regions still suffer today. Since about 2015 - around the same time as I have been visiting this country more often - changes have been noticeable and efforts are in progress to revitalize these industrial and mining facilities as cultural monuments of Hungarian history. In Rudabánya, which today has a population of about 2.500 inhabitants, there is a museum worth seeing with about 25.000 exhibits on the subject of mining - see following links:

https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Ungarn/Borsod-Aba%C3%BAj-Zempl%C3%A9n%2C%20Komitat/Kazincbarcika%2C%20Kreis/Rudab%C3%A1nya

Link Rudabánya (english) with greetings from the Mayor ;-)
http://rudabanya.hu/en/index.html

Auf eine Übersetzung ins ungarische verzichte ich, zumal ich diesbezüglich auf fremde Hilfe angewiesen wäre und die Sonderzeichen hier nicht abgebildet werden können ;-)) ...


Nikon D500, AF-S Nikkor VR 16-85mm, 12 Aufnahmen freihand
Aufnahmezeit 12:48 Uhr MESZ
Blende: f/13
Belichtung: 1/320
ISO: 100
Brennweite: ~75mm KB

Comments

Auch ohne Verpflichtungen entstehen auch meine Panos immer dann, wenn ich irgendwo vorbeikomme und ich warte nicht eigens auf das Licht. Mal ist es dann besser, mal mittags flacher. Hier finde ich die Spätsommerfarben aber sehr überzeugend, und Deine Beschreibungen sind zudem immer interessant. VG Martin
2020/09/13 21:39 , Martin Kraus
Unspektakuläre, in sich ruhende Landschaft, der man den Bergbaufolge-Charakter kaum ansieht.

In meinem letzten Allgäuurlaub habe ich mich etwas intensiver mit dem Eisenerzbergbau am Grünten beschäftigt. Das geht weit über das Loch hinaus, aus dem das Erz gekratzt wurde. Die Knappen und ihre Familien musten mit Nahrung versogt werden, wozu landwirtschaftliche Nutzflächen geschaffen werden mussten. Zur Verhüttung wurde Kohle benötigt, gewonnen aus Holz. Für eine Tonne Eisen waren 100 t Holz notwendig, also Waldarbeiter, Fuhrleute und Köhler. Die Folgen des Erzbergbaus kann man heute noch sehen: grün-glasige Schlacke im Sediment der Iller unterhalb von Sonthofen, aber auch die Fichten-Monokulturen an zahlreichen Waldstandorten, die schnellwachsendes Holz lieferten. Der Zusammenbruch des Bergbaus im Allgäu Mitte des 19. Jahrhunderst war der Bahn geschuldet. Ursprünglich als Motor des Bergbaus gesehen sorgte sie dafür, dass den Schmieden plötzlich qualitativ besseres und zudem günstigeres Eisen zur Verfügung stand. Der Weitsicht von Carl Hirnbein, im Allgäu die Milchwirtschaft und den Tourismus zu installieren, trug dazu bei die gewaltigen strukturellen Umschichtungen abzumildern und legten den Grundstein für die heutige Kulturlandschaft.

Herzliche Grüße,
Dieter
2020/09/14 15:30 , Dieter Leimkötter
Interessanter Einblick in diese nordungarische Landschaft, die mir bisher unzugänglich war. Das gilt für das Bild wie für den Text, Hans-Jörg!
2020/09/14 21:26 , Peter Brandt
Ich hätte erneut nicht auf Ungarn getippt.
Vielleicht könnte man in Erwägung ziehen, das Pano insgesamt, zumindest aber die Tiefen etwas aufzuhellen?
LG Jörg
2020/09/15 21:38 , Jörg Nitz
Zu den Dämmerungszeiten ist das Licht zwar feiner, ich mache aber auch um die Mittagszeit gerne Aufnahmen. Vorzugsweise 360er, weil es da keine Probleme mit Gegenlicht gibt.
Mir gefällt Dein Pano sehr gut. Es zeigt die schöne Lage der kleinen Stadt inmitten einer grünen Landschaft und ein paar Berge am Horizont sind auch zu sehen.
2020/09/16 08:54 , Friedemann Dittrich

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Hans-Jörg Bäuerle

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