Das dunkle Auge des Nordschwarzwalds ...   73032
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Location: Mummelsee (1036 m)      by: Hans-Jörg Bäuerle
Area: Germany      Date: 16.07.2015
Auf einer Höhenlage von 1.036m ist der Mummelsee der höchstgelegene, und mit 17m Seetiefe zugleich der tiefste, der insgesamt noch acht verbliebenen Karseen im Nordschwarzwald. Früher gab es hier zahlreiche Seerosen, auch Mummeln genannt, denen der See seinen Namen verdankt. Heute ist der Mummelsee touristischer Anziehungspunkt zahlreicher Besucher, die über die B500, der Schwarzwaldhochstraße kommend, hier gerne eine Pause einlegen. Sei es auf einen Restaurantbesuch im gleichnamigen Höhenhotel, um Souvenirs in den Shops zu erwerben, oder – die sportliche Variante ;-) – um einmal die ca. 800 Meter um den See zu „wandern“! Vor diesem Hintergrund eigentlich kein schöner Ort für einen Einheimischen, wären da nicht die unzähligen Sagen und Legenden, die wir im Fach Heimatkunde – gibt es das heute überhaupt noch – einst in der Schule erzählt bekamen.

Ich möchte diese Sagen und Legenden hier nicht alle niederschreiben, das würde bei weitem den Rahmen der Plattform sprengen, aber ganz ohne diese würde das Panorama auch nicht lebendig werden:

Bei den Einheimischen wird der See oft „Das dunkle Auge des Schwarzwalds“ genannt, bei den Römern einst Lacus Mirabilis „See der Wunder“ und Grimmelshausen berichtet im Simplicissimus vom „Unergründlichen See auf dem hohen Berg“. So zogen die Mythen um den See auch bekannte Persönlichkeiten an. Der schon erwähnte Grimmelshausen lässt seinen Simplicius Simplicissimus in das unterirdische Reich des Seekönigs hinabsteigen, der Jesuit Athanasius Kircher berichtet im Jahr 1678 in seinem Buch „Mundus subterranus“ u.a., dass der See keine Fische duldet „und wer welche hineinbringt, die wirft der See wieder hinaus wie das Meer die Leichen …“, bei den Gebrüdern Grimm findet der Mummelsee seinen Platz, Eduard Möricke verfasste 1829 ein Gedicht „Die Geister am Mummelsee“, das ich in meinem Panorama #17920 veröffentlicht habe. Selbst Sisi, Kaiserin von Österreich statte hoch zu Ross von Baden-Baden dem See mehrmals einen Besuch ab und schrieb in einem ihrer Briefe „ Sein Umriß ist nahezu kreisförmig, gegen Süden etwas verlängert, wie das Auge eines Drachen …“

Hier abgebildet ist eine am nördlichen Ende des Sees aus dem Wasser auftauchende Nixe, die an die zahlreichen Begegnungen der Einheimischen mit diesen Wesen des Mummelsees erinnert. Das Grundmuster ist letztendlich immer ähnlich. Ein Jüngling, Ritter, oder meist Hirte begegnet den liliengleichen Geschöpfen und verliebt sich bei deren Anblick. Er sucht diesen Ort immer wieder auf und bricht das Versprechen, die Nixen in freiem Willen in ihr Reich entschwinden zu lassen. Doch der Nixenkönig reisst die Wasserweibchen in die Tiefe, die sterbend eine blutrote Welle ans Ufer schicken.

Panoramisten, die nun neugierig geworden sind, rate ich dringend ab Steine in den Mummelsee zu werfen, wenn man nicht mit Sturm und hohen Wellen gestraft werden will. Ich mache Spaß meint ihr? Keineswegs, wie das Ereignis des Jahres 1888 aufzeigt, denn in jenem Jahr bildete sich an einem warmen Sommertag plötzlich eine Wasserhose über dem Mummelsee und raste als Tsunami auf das Ufer zu, flutete eine Schutzhütte, durchnässte und erschreckte eine Gesellschaft von Wanderern.

Noch nicht genug gehört? Dann abschließend noch der Hinweis, dass eine der größten Naturkatastrophen, der Sturm Lothar am 26.12.1999 gut 40.000 Hektar Kahlfläche erzeugte – siehe die Daten zu meinem Panorama #19879 – ABER den Tannen- und Fichtenbeständen am Mummelsee krümmte er keine einzige Nadel - der sagenumwobene Mummelsee hat eben seine eigenen Gesetze!


Nikon D300s, AF-S Nikkor VR 16-85mm - 5 QF-Bilder, Freihand
Uhrzeit: 19:57 Uhr
Blende: f/3.8 - 7.1
Belichtung: 1/125
ISO: 100
Brennweite: 22mm (KB 33mm)
LR 6, PTGui Pro, IrfanView

Comments

Ein herrliches Panorama mit einer interessanten Beschreibung dazu.

Beste Grüße,
J
2016/12/10 21:35 , Jörg Engelhardt
Hans-Jörg,
da hast Du einen eigenwilliger Schnitt angewendet (dachte gleich an Dich) und eine höchst unterhaltsame Beschreibung ***** dafür :)
LG & sei behütet,
Christian
2016/12/10 22:49 , Christian Hönig
Mystisch und schön!
LG, Danko.
2016/12/11 07:17 , Danko Rihter
Viel zu lesen aber es lohnt sich, zum schönen Panorama ist ja schon alles gesagt.
2016/12/11 11:40 , Jens Vischer
Spannender Schwarzwald! 
Von diesen Schönheiten wusste ich gar nichts.
Um so mehr danke fürs optische Mitteilen lieber Hans-Jörg!
Gruss Walter
2016/12/12 08:44 , Walter Schmidt
Durch die Spiegelung und den verknappten Himmel wird der Blick förmlich in die Tiefe gezogen.
Es grüßt Wolfgang
2016/12/17 22:31 , Wolfgang Bremer
Habe mich sehr gefreut, dass diese Geschichte um den Mythos Mummelsee auf eine nicht erwartete Resonanz gestoßen ist ...

Wegen dem von Christian Hönig angesprochenen ungewöhnlichen Schnitt musste ich doch noch einen Kommentar loslassen - dieser war bewusst so gewählt und ich freue mich sehr, Wolfgang, dass Du die Intention dazu in Wort und Bild in Deinem Kommentar treffend niedergeschrieben hast! Auch der Stein wurde bewusst im Bild belassen, ist er doch Teil der Geschichte, keine Steine in den Mummelsee zu werfen ;-)

Einen schönen Adventssonntag Euch allen!
2016/12/18 11:08 , Hans-Jörg Bäuerle

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Hans-Jörg Bäuerle

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