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Details

Location: Schinkelplatz      by: Christoph Seger
Area: Germany      Date: 2016-04-07
Der Schinkelplatz ist im Moment eine nicht wirklich attraktive Durchgangszone.

Ich habe mir daher erlaubt ihn in diesem Bild durch den Schnitt in die Nichtwahrnehmbarkeit zurückzubefördern, in welcher er nicht nur vor der sogenannten "artendenkmalpflegerische Wiederherstellung" 2007/2008 (Zitat aus http://www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/pressebox/archiv_volltext.shtml?arch_0810/nachricht3226.html)
sondern offenbar auch anschliessend verharrt hat.

Wobei natürlich anzumerken ist, dass die Achse Schinkelpark - Bauakademie in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts durch den Riegel des DDR Aussenministeriums besetzt waren.

Nach meinem kritischen Blick auf das Schloss und den Lustgarten - der war auch geprägt durch den Besuch des Märkischen Museums in welchem die Entwicklung der Spree-Insel zwischen Kupfergraben und Spree sehr detail- und lehrreich beschrieben und gezeigt wird - erlaube ich mir nun einige Zeilen zu diesem Ort hinzuwerfen.

Auch hier der Versuch einer historistischen Verharmlosung gepaart mit dem erklärten Willen zwei bis drei Generationen mitteleuropäischer Geschichte dem Erdboden gleich zu machen (Heinz hat dafür einige klare Worte gefunden). Das letzte Mal wie dies versucht worden ist hätte daraus die "Welthauptstadt Germania" werden sollen. Wo diese Idee genau durchgeführt hätte werden sollen muss ich hier wohl niemandem erklären. Man soll sich nur einfach daran erinnern wenn man am Spreebogen steht (siehe auch http://cargocollective.com/abelinskaya/Realization-of-the-project-for-Government-Centre-in-Berlin-1991-2012)

Ich habe ein wenig Quellenstudium betrieben, was ich finde stelle ich hier ein und ersuche selbst in den Gängen und Kammern des Inter-Netzes nach weiteren Funden zu stöbern. Ich fasse mit Absicht nicht zusammen, es erschüttert mich.

Wie dem auch immer sei, eines ist klar. Berlin wieder eine Mitte zu geben ist offenbar ein sehr schwieriges und langwieriges Unterfangen. Ob der Zugang zu einer neuen "alten" Mitte über Historismus und Retortenbauten in Unternehmerhand und ohne Planungsverstand auch die Menschen anziehen wird, welche diese Mitte beleben sollen bleibt abzusehen. Vielleicht entwickelt sich ja eine bi-polare oder multizentrische Stadt mit mehreren gleichwertigen Fokus-Punkten. Die Chancen stehen gut, ob DIESE Gegend - d.h. das alte Cölln und das nördliche Friedrichswerder dazugehören werden steht allerdings in den Sternen. Im Moment sind die Massen an anderen Orten zu treffen.

Quellen:

LUFTBILDVERGLEICHE:
http://interaktiv.morgenpost.de/berlin-1928-2015/

STADTENTWICKLUNG
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/planwerke/de/planwerk_innere_stadt/raeumliche_schwerpunkte/historische_mitte/index.shtml
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/friedrichswerder/de/plaene/index.shtml
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/hauptstadt/dokumentation/en/spaziergang/friedrichswerder_schinkelplatz.shtml
https://www.berlin.de/aktuell/ausgaben/2009/juni/ereignisse/artikel.224004.php

KARTEN / BILDER
https://de.wikipedia.org/wiki/Cölln#/media/File:Cölln_1893.jpg
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/Berlin_Mitte_Schinkelplatz.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal#/media/File:Berlin_Kaiser_Wilhelm_Nationaldenkmal_Lageplan.jpg


TECHNISCHES
D800, Zeiss 21 mm
HF Raws um 17:41
RawTherapee, PTGui, Gimp

Comments

Eine weitere wunderbare Studie.
Die Farben und die Dynamik im Bild sind äußerst ansprechend.
2016/06/14 23:02 , Hans-Jürgen Bayer
Very interesting.
2016/06/14 23:06 , Giuseppe Marzulli
... dito!! Lichtstimmung, Motiv, Bildaufbau - da passt alles zusammen, akribisch gute Arbeit!

Herzliche Grüße
Hans-Jörg
2016/06/15 17:01 , Hans-Jörg Bäuerle
Hallo Christoph! 
ich hatte an anderer Stelle schon etwas zum "Historismus" geschrieben. Für eine Verharmlosung halte ich viel mehr, die DDR als "zwei, drei Generationen mitteleuropäischer Geschichte" zu bezeichnen. Die DDR war ein Kunstprodukt der sowjetischen Besatzung und einiger (im Laufe der Zeit auch immer weniger) deutscher Kommunisten, gewalttätig nicht nur gegen Nazis, sondern auch gegen aufrechte Bürger, zu keiner Zeit vom Willen des Volkes getragen und in ihrem Selbstverständnis ein erratischer Block in der deutschen Geschichte. Und so hat sie auch bis ca. 1980 im Städtebau agiert: eben nicht an einer Verwurzelung im Bestehenden interessiert, historisch Gewachsenes ignorierend, zum Teil bewusst (Schloss, Sophienkirche, Garnisonkirche) zerstörend und anderweitig, wenn auch zum Teil durchaus ansprechend (Republikpalast) überbauend. Es mag ja Leute geben, die die Wiedergewinnung der früheren städtischen Strukturen mit dem Wunsch auch nach geistiger Restauration verbinden, aber deshalb der großen Mehrheit der Befürworter einer solchen Wiedergewinnung der alten städtischen Strukturen - und damit auch Charaktermerkmale - den Wunsch nach Verharmlosung der Geschichte zu unterstellen, halte ich für überzogen. Stell Dir nur einmal vor, Innsbruck wäre nach dem Krieg ähnliches wiederfahren wie Berlin. Auch dort haben ja viele der stadtprägenden Gebäude eine feudale Vergangenheit. Wie würde sich Innsbruck wohl verhalten, hätten Kommunisten große Teile dieser baulichen Vergangenheit gesprengt und quer dazu einen Republikpalast gebaut? Man könnte doch den Befürwortern eines Wiederaufbaus genauso wenig Verharmlosung unterstellen wie man es der Stadt heute zum Vorwurf machen kann, die Zeugnisse früherer Gesellschaft auch als Charaktermerkmale des heutigen Innsbruck zu pflegen und stolz darauf zu sein. Dass ich das an einem 17. Juni schreibe, ist einerseits Zufall, weil ich heute morgen gerade etwas Zeit habe bzw. gerade kein Rätsel läuft, andererseits ist es natürlich kein Zufall. Für die Präsentation dieses schönen wie hochinteressanten Panoramas von diesem Brennpunkt Berlins aber in jedem Fall ein herzliches Dankeschön!
2016/06/17 10:04 , Matthias Knapp
I find your thoughts about severel centers for a city like Berlin very interesting and obvious, instead of an eternal search for THE center. LG Jan.
2016/06/17 22:23 , Jan Lindgaard Rasmussen
Du hast ja sehr ausführlich recherchiert - die Links muss ich mir noch mal in Ruhe ansehen. Das Pano illustriert das alles jedenfalls ziemlich gut. VG Martin
2016/06/18 13:57 , Martin Kraus
Ich möchte mich zwischendurch für all die Kommentare bedanken. Mir ist bewusst, solche Bilder sind nicht immer einfach anzusehen.
2016/06/20 21:17 , Christoph Seger
Lieber Matthias
Ich möchte Deine Worte nicht weiter kommentieren, denn der Sieger hat eh immer recht - wie Giuseppe andernorts schon so treffend bemerkt hat.

Wenn man 1-2 Jahrhunderte zurückblicken mag, dann wird man feststellen, dass die Jahre der DDR tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft in den Tiefen der Vergangenheit entschwinden wird. Bleiben werden aber einige Bauten - in diesem Kontext ist die Schleifung des Palastes widersinnig gewesen - genauso könnte man argumentieren, dass der Fernsehturm geschleift gehört.

So aber ergibt sich ein spannendes Ensemble der neuen Mitte ... der überlebende Dom flankiert von Fernsehturm und Beton-Bunker-Schloss, hinten dran das Neue Museum, die Narben der Zeit präsentierend. Allerlei Versatzstücke von Historismus bis Postmoderne verzieren diesen Kern (einen der vielen Kerne in Berlin).
2016/06/20 21:25 , Christoph Seger
Wer ist denn der im Titel angesprochene Robert?
2016/06/21 10:37 , Arne Rönsch
Lieber Christoph, 
ja, natürlich schreibt der Sieger meistens die Geschichte, so schade das ist. Ich bedaure selbst, dass der Republikpalast verschwunden ist. Es ist mir nur zu einfach, den Schlossbau allein mit der Dominanz des Siegers erklären zu wollen. Die tiefere Ursache sowohl für das Verschwinden der DDR aus der Erinnerung wie auch das Verschwinden des "Palastes" ist doch der Umstand, dass die DDR nie vom Volk akzeptiert war und immer nur als Fremdkörper empfunden wurde (und sich auch selbst als solcher gesehen hat).
2016/06/21 13:21 , Matthias Knapp
Christoph, da hast Du Dir aber einen guten Standort für Dein Panorama erobert. Dort wollte ich auch mal Aufnahmen machen, nur hatte ich bisher nicht die richtige Lust dazu verspürt. Aber Du hast von dort ein sehr schönes Panorama von Berlins neuer Mitte gemacht und ich bin versucht, beim Betrachten an die "Schönheit einer Baustelle" zu denken, ähnlich wie es mir mal bei den Windrädern erging.
Doch was ihr so über die Architektur fabuliert, das überlasse ich euch. Wenn jedoch die Geschichte so entstellt wird wie von Matthias Knapp, dann werde ich schon noch etwas dazu sagen, da das sehr viel gemein hat mit der zu Zeiten des Kalten Krieges von reaktionären Kreisen verbreitete Hetze gegen die DDR, dem Vertreter eines anderen Nachkriegsdeutschlands, in dem die Nazi- und Kriegsverbrecher nicht wieder in Amt und Würden gekommen sind.
2016/06/21 18:00 , Heinz Höra

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Christoph Seger

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