Eine Landschaft verändert sich...   7188
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1 Bräker Kopf, 421 m
2 Rimberg, 500 m
3 Grüner Tal

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Location: unterhalb der Hilkenhöhe (410 m)      by: Benjamin Vogel
Area: Germany      Date: 19.12.2020
Seit einiger Zeit zeigen sich am nördlichen Rand des Sauerlandes die konkreten Folgen der letzten Dürresommer: Fast alle Fichten sterben oder sind schon tot. In diesem Jahr startete bei Iserlohn das große Fällen. Hektarweise verschwindet in atemberaubenden Tempo der Wald. Manchmal erkenne ich bekannte Orte nicht mehr wieder. Harvester, Kettensägen, Bagger und LKWs hinterlassen meist eine trostlose Mondlandschaft - erst einmal erschreckend. Aber ich hoffe, dass die Kahlschlagflächen neben den neuen Ausblicken in den nächsten Jahren eine interessantere, artenreichere und widerstandsfähigere Vegetation bieten werden und die Landschaft langfristig durch diese Einschnitte gewinnen wird. Wer ganz sicher nicht gewinnen wird sind die Waldbauern...

Comments

Es fällt einem schwer, hier ein Herz da zu lassen. Das Motiv ist schrecklich, weil aktuell überall diese waldbaulichen Eingriffe erfolgen. Im Allgäu, im Frankenwald ähnlich massiv wie hier. Der Wald am Brocken ist auch großflächig tot. Das bedrückende ist, dass die Forstwirte noch nicht wissen, was folgen soll. Wie schnell kommt der Klimawandel. Sind die Bäume, die wir heute als streßtolerant bezeichnen wirklich Zukunftsbäume. In dem Waldstück vor meiner Haustüre wurden nach den Stürmen der 90ger Jahre Windbruchflächen mit den trockenstreßverträglichen Douglasien aufgeforstet. Diese sind in dem dritten Trockenjahr in Folge nun auch verdorrt.

Allein für den Mut, das zu zeigen, gehört dir mein Herz.

Dieter
2020/12/20 09:35 , Dieter Leimkötter
Auch mein Herz für die Dokumentation. Hier am Taunusrand haben sich dieses Jahr auch große, neue Löcher im Wald aufgetan. Altgewohnte Spazierwege sehe auf einmal ganz anders aus. VG Martin
2020/12/20 11:30 , Martin Kraus
Zum Nachdenken / zur Lektüre ein Link:

https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/waldbau/dateien/w45_die_tanne_im_frankenwald.pdf

Wer immer sich mit Vegitationskunde, historischer Landnahme und anthropogener Landschaftsveränderung beschäftigt weis, dass die Fichte nur einen SEHR untergeordneten Stellenwert in den Mittelgebirgslagen haben darf. Was wir vor uns sehen ist der von Hunger, Not und Industrialisierung des 19. Jhdt. getriebene Öko-Gau der europäischen Wälder. Die Fichte als rasch wachsendes und unproblematisches Nutzholz folgte der massiven Rodung dieser Zeit - vergleichbar mit der Umwandlung von primärem Urwald in Ölpalmenplantagen.

Nur in klimatischen Extremzeiten bemerkt man diese Fehler, ich durfte das schon einmal erleben - mit dem „Waldsterben“ im alpinen Raum (bitte das von den Emissionsschäden im Erzgebirge etc. trennen). Ich habe als junger Erwachsener jahrelang Waldschäden kartiert und habe durch Beobachtung feststellen dürfen wie schwer es der Flachwurzler Fichte hat, wenn es einmal trockener wird. Was für eine Freude war es die dem „sauren Regen“ gegenüber empfindlicheren Tannen als die gesünderen und widerstandsfähigeren Bäume identifizieren zu können. Dieses nur scheinbare Paradoxon aufzuklären/ zu rationalisieren war ein großes Vergnügen.

In der beigelegen Publikation über den Frankenwald wird beschrieben, dass man eigentlich einen Buchen-Tannen-Wald vorfinden sollte, aber bereits in den 1930ern die Fichte dominiert hat. Die Dominanz wurde zur Monokultur die nun eben wieder verschwindet.

Wer die Generationslänge von Bäumen kennt weis, dass wird diese Veränderung alle nicht mehr erleben werden ...

Solltet ihr meine Meinung nicht teilen oder anderes Fachwissen haben dann meldet euch bitte. Diskussionen sind sehr willkommen.

Herzlichst Christoph
2020/12/20 11:34 , Christoph Seger
Vieles am Klimawandel macht mir Sorgen. Dem Fichten"wald" weine ich aber keine Träne nach. Ich beobachte seit einem Kahlschlag an meinem Hausberg, der Hohen Möhr, wie ganz ohne weiteren menschlichen Eingriff hier ein neuer Wald wächst, mit Farnen und Brombeeren, mit Eschen und Tannen und vielem mehr, das ich nicht kenne, in seiner Vielfalt aber Freude macht und Hoffnung gibt.
2020/12/20 14:11 , Matthias Knapp
Vielen Dank für eure informativen Kommentare, die meine Hoffnung unterstützen. Die 2007 von Kyrill zerlegten Flächen sind heute z.B. schon sehr schön von Birken, Ginster, Eschen und Heidekraut bewachsen.
2020/12/21 20:51 , Benjamin Vogel
Sarkastisch betrachtet: Ideal für Fernsichtfreunde !! Finde solche Dokumentationen auch immer sehr spannend ...

Die Natur wird sich normalerweise von selbst erholen - bestes Beispiel für mich sind die durch Lothar verursachten partiellen Kahlschlagflächen im heimatlichen Nordschwarzwald ... heute würde ein Fremder wohl kaum auf die Idee kommen, wie es hier am 2. Weihnachtstag 1999 ausgesehen hat. Der an der Schwarzwaldhochstraße gelegene Lotharpfad dokumentiert die Historie recht eindrücklich. Habe von dort ein (Test-) Panorama mit meiner damals neuen D500 eingestellt - siehe #19879 mit Erläuterungen.

Herzliche Grüße
Hans-Jörg
2020/12/23 06:07 , Hans-Jörg Bäuerle
Ich möchte hier doch auch einmal eine Lanze für die Fichte (unsere heimische Art, Picea abies) brechen. In den westdeutschen Mittelgebirgen gehört sie tatsächlich nicht zur potentiell natürlichen Vegetation. Anders in den kontinentaler geprägten Mittelgebirgen wie den Sudeten oder dem Bayerischen Wald. Dort kommt sie von Natur aus in den Hochlagen und in den durch Sommerfrost gefährdeten Talmulden vor, wo sie anderen Baumarten überlegen ist. So weit ist der Klimawndel noch nicht fortgeschritten, dass sie in solchen Lagen durch andere Baumarten verdrängt werden kann. Im Nationalpark Bayerischer Wald wird bekanntlich in der Kernzone nicht mehr in die Vegetationsentwicklung eingegriffen, dort wächst oberhalb 1200m (der derzeitigen Höhengrenze für die Buche) ein weiterhin von der Fichte geprägter Wald heran.
2020/12/23 10:12 , Wilfried Malz

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