Eine tiefe Narbe im Gesicht von Mutter Erde   172702
previous panorama
next panorama
 
Orientation on / offOrientation on / off
Details / LabelsDetails / Labels Markers on / offMarkers on / off Overview on / offOverview on / off   
 Cycle through labels:   first previous stop
play
pause
next last
  zoom out
 

Labels

1 Reuver-Ton
2 Hambacher Forst
3 Jüngere Hauptterrasse des Rheins
4 mio-/pliozäne Sande
5 2. Sohle
6 Bagger 292
7 3. Sohle
8 Abbaustrosse
9 Bagger 293
10 Mausauel, 388 m
11 1. Sohle
12 Bandwagen
13 4. Sohle
14 Fernmeldeturm Großhau
15 6. Sohle
16 5. Sohle
17 Langschoß, 583 m
18 7. Sohle (-293 m NN)
19 Hauptflözgruppe
20 Eisenstein, 272 m
21 Bandsammelpunkt
22 Kraftwerk Weisweiler
23 Strossenbandanlage
24 Absetzer
25 Bandschleifenwagen
26 überhöhte Innenkippe
27 Wetterradar Tereno
28 Höller Horn, 292 m

Details

Location: Tagebau Hambach - Aussichtspunkt :terraNova Elsdorf (89 m)      by: Matthias Stoffels
Area: Germany      Date: 18.05.2014
Der Tagebau Hambach westlich von Elsdorf ist mit einer Betriebsfläche von rund 8500 Hektar der größte Kohletagebau im Rheinischen Revier und gleichzeitig weltweit der viertgrößte überhaupt.
Lediglich die Kohle-Tagebaue Correjon (Kolumbien), Korkino (Russland) und Ekibastus (Kasachstan) übertreffen dieses gigantische Loch noch an Größe.

RWEPower (früher Rheinbraun) baut hier Braunkohle der rund 70-100 Meter mächtigen miozänen Hauptflözgruppe (Ville-Schichten) ab und fördert mit Hilfe ausgereifter Bergbautechnik jährlich so rund 40 Millionen Tonnen Kohle, die vorwiegend in den drei Großkraftwerken Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem verstromt wird.

Da die Hauptflözgruppe erst in Tiefen von mehr als 160 Meter unter Geländeoberkante ansteht, müssen zur Gewinnung der Braunkohle große Mengen an Deckgebirge (mio- bis pliozäne Sande und Tone sowie Sande und Kiese der Jüngeren Hauptterrasse des Rheins) abgetragen werden.

So fallen in dem bis zu 400 Meter tiefen Tagebau jährlich rund 250 Millionen Tonnen Abraum an, die über Bandanlagen zum bereits ausgekohlten Bereich der Betriebsfläche auf die überhöhte Innenkippe transportiert und dort von Absetzern verteilt werden.

Der Tagebau Hambach wird noch bis voraussichtlich 2045 weiter betrieben werden. Bis dahin werden durch das Voranschreiten der Förderung nach Süden noch die beiden Ortschaften Kerpen-Manheim und Morschenich sowie die verbliebenen Reste des Hambacher Forstes der Braunkohle-Gewinnung unwiederbringlich zum Opfer fallen.

Nach Auslaufen der Betriebsgenehmigung wird nach derzeitigen Planungen im Restloch der tiefste (maximale Tiefe rund 330 Meter) und gemessen am Volumen (5,3 bis 5,8 Milliarden Kubikmeter) der zweitgrößte See Deutschlands nach dem Bodensee entstehen.

Nota bene: Ich war in den letzten Wochen relativ häufig im Umfeld des Tagebaus unterwegs. Jedesmal wenn ich hier stand überkam mich eine schaurige Faszination. Einerseits finde ich die erheblichen Auswirkungen der Braunkohlegewinnung auf Natur und Mensch ziemlich erschreckend, andererseits hat mich aber auch (nicht zuletzt aus beruflichen Gründen) die Größe und Dimension dieses gigantischen Loches beständig in seinen Bann gezogen.

Technische Details: 19 HF-Aufnahmen (auf Monopod) mit Canon EOS 1100D (Sigma 50-200@50 mm, F8.0, 1/320s bis 1/800s, ISO 100), RAW-Entwicklung mit RawTherapee 4.x, Stitching mit Hugin-2014.RC1, weiterer Workflow mit Gimp 2.8.x (zur Verbesserung der Schärfe und des Kontrastes)

Comments

Ich kann Deine ambivalenten Assoziationen gut nachvollziehen. Toller tiefer Einblick, den du uns hier zeigst. So deutlich habe ich Braunkohleflöze noch nicht gesehen, in Garzweiler kann man sie m.W. auch nicht so klar erkennen. VG Peter
2014/05/25 18:33 , Peter Brandt
Das ist in der Tat sehr furcheinflößend, aber auch faszinierend zugleich.
2014/05/25 20:13 , Jens Vischer
Nach Monte Sophia ein weiteres hochinteressantes Dokument! Danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, dieses Werk mit ausführlichen Informationen zu präsentieren.

Herzliche Grüße
Hans-Jörg
2014/05/25 20:18 , Hans-Jörg Bäuerle
So gut erklärt wie durch Deine Beschriftung hab ich das noch nie bekommen, und vor Ort gesehen hab ich das schon öfters. VG Martin
2014/05/25 21:43 , Martin Kraus
Soll man 
die technische Versiertheit von Homo Sapiens bewundern oder angesichts der Ausmaße und Folgen zum Kulturpessimisten werden? Keine Ahnung, aber eins steht fest: In der Größe, Eindringlichkeit und Qualität habe ich so etwas noch nicht gesehen.
Früher hatte man Kohle im Keller (so wie Strom aus der Steckdose Kommt), und ein Blick in die Leipziger oder Lausitzer Löcher wäre wohl sowieso geheim gewesen.
Es grüßt Wolfgang
2014/05/25 21:56 , Wolfgang Bremer
Außergewöhnlicher Tiefblick.
Jetzt muss man die Ausbeute mal in t CO2 umrechnen.
Die Braunkohleverstromung ist sicher leicht fragwürdig wenn man sich die (Energie)Ziele betrachtet, zumal D auch noch enorm viel Strom exportiert und das vermutlich nur zu halbem D Preis ...
Tolle Studie ! VG HJ
2014/05/25 22:26 , Hans-Jürgen Bayer
Very impressive and a little scary.
2014/05/25 22:27 , Giuseppe Marzulli
Ich bin immer wieder vollkommen begeistert von dieser Art von Bildern.
LG Christoph
2014/05/25 22:30 , Christoph Seger
Die Dimensionen sind wirklich fast erschreckend und für mich überraschend - da der Braunkohleabbau bei uns in OÖ schon lange ruht. LG, Michi
2014/05/25 23:00 , Michael Strasser
Atemberaubend! 
Gruss Walter
2014/05/26 13:29 , Walter Schmidt
Die gewaltigen Ausmaße hast Du sehr eindrücklich dargestellt, dazu interessante Informationen.
LG Fried
2014/05/26 16:02 , Friedemann Dittrich
@Hans-Jürgen
ich hab mal gerade mit Hilfe der Daten aus dem Thru.de-Portal des Umweltbundesamtes die CO2-Emissionen für das Berichtsjahr 2012 ausgerechnet.
Anteilig (für die Braunkohle aus dem Tagebau Hambach) werden in den 3 Großkraftwerken ungefähr 35 bis 36 Millionen Tonnen CO2 jährlich freigesetzt. Die Zahlen für SOx/SO2 sind trotz Rauchgasentschwefelung auch nicht von schlechten Eltern. Gänzlich unterschätzt werden derzeit noch die Quecksilber-Emissionen :-(.
@Alle
Vielen Dank für Eure Kommentare und positive Bewertungen. Dieses Panorama war/ist mehr oder weniger aus den beschriebenen Gründen eine Herzenangelegenheit gewesen.
2014/05/27 00:51 , Matthias Stoffels
Schon oft betrachtet, nn gibts die verdiente Bewertung.. Bekannte Szenerie von Leipziger und Böhmischen Revieren, aber die Dimensionen scheinen schon sehr gealtig zu sein.. Interessant würde ich finden mit welchen Abbau-Logistiken hier gearbeitet wird - weiß darüber zufällig etwas?!

LG Seb
2014/05/27 17:25 , Sebastian Becher
@Seb
Anders als in der Lausitz erfolgt die Förderung hier wegen der größeren Tiefe der Tagebaue im sogenannten Schwenkbetrieb, d.h. daß sich der Tagebau während des gesamten Förderzeitraums wie ein einzelnes Kreissegment mit Gewinnungs- und Verkippungsseite um den Bandsammelpunkt dreht.
Zur Zeit sind im Tagebau Hambach 6 Schaufelradbagger im Einsatz. Einige davon verfügen über eine maximale Förderkapazität von 240000 Kubikmeter Abraum bzw. Kohle pro Tag und zählen mit einer Höhe von knapp 100 Metern und einer Länge von 225 Metern zu den größten voll mobilen Maschinen der Welt.
Im ausgekohlten Bereich stehen 7 Absetzer mit vergleichbaren Kapazitäten bereit um den Abraum zu verstürzen.
Der Tagebau ist über die betriebseigene Hambachbahn mit den Kraftwerken und den Kohleveredlungsbetrieben verbunden.
Wenn Du noch mehr zur Logistik erfahren willst, kann ich dir folgendes pdf-Dokument empfehlen:
3. Rahmenbetriebsplan (http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/1232522/data/60012/2/rwe-power-ag/standorte/braunkohle/hambach/Wesentliche-Inhalte.pdf)

Herzliche Grüße, Matthias.
2014/05/27 21:32 , Matthias Stoffels
Danke für die Info Matthias. Ist schon enorm was da verpulvert wird.
2014/05/27 22:26 , Hans-Jürgen Bayer
Die Antwort an Seb finde ich sehr interessant... 
...denn als Sachse (wenn auch mit Bonner Mutter) denke ich bei dem Stichwort Tagebau nun gar nicht an Eure Ecke...was natürlich ein Fehler ist.
Vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen und für das informative Pano. Herzliche Grüße Velten
2014/05/28 11:12 , Velten Feurich
Ein ebenso gut gemachtes wie informatives und befrückendes Dokument, wie der Mensch in die Landschaft eingreift. Ich hoffe sehr, dass ich den See noch erleben darf.
2014/05/29 14:36 , Jörg Braukmann

Leave a comment


Matthias Stoffels

More panoramas

... in the vicinity  
... in the top 100